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Absage mit Ansage

Die Absage des Auftritts der Band Feine Sahne Fischfilet im Bauhaus Dessau am 6. November durch deren institutionelle Entscheidungstr√§ger wird zu einem politischen Spektakel und Menetekel f√ľr ein Kochbuch.

Nach Protesten einer schwarzbraunen Allianz gegen den Auftritt der Band in Dessau, dessen Aufzeichnung im Rahmen der Sendereihe ZDF@Bauhaus geplant ist, begr√ľndet die Bauhaus Stiftung in einer Pressemitteilung die Absage des Konzerts mit Feine Sahne Fischfilet folgenderma√üen: Das Bauhaus Dessau sei „historisch und zeitgen√∂ssisch ein Ort f√ľr alle Menschen unabh√§ngig von Herkunft, Geschlecht und Nationalit√§t. Politische extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft ‚Äď auf der auch das historische Bauhaus beruht ‚Äď spalten und damit gef√§hrden.“

Abschlie√üend bem√ľht die Stiftung sogar noch ein Zitat aus einer Presserkl√§rung vom 29. Januar 1920. Infolge von „wiederholten Beschuldigungen einer radikal-politischen Parteinahme im Bauhaus haben die Leitung und der Meisterrat schon mehrfach mit der Erkl√§rung Stellung genommen, da√ü jede politische T√§tigkeit im Bauhaus von jeher untersagt war.‚Äú

Unbestritten ist Feine Sahne Fischfilet eine Band mit einem delikatösen Bandnamen und obendrein mit politischer, aber zweifelsohne demokratischer Haltung. Unpolitisch ist offenbar aber auch dieses Bauhaus weiland nicht gewesen, zumindest nicht in den zwanziger Jahren. Das lässt sich sogar auf Wikipedia nachlesen.

Die Rote K√∂chin – Ein Koch-Lesebuch mit Rezepten aus den zwanziger Jahren, darunter K√∂nigsberger Klopse, Hopfensprossen mit R√ľhrei oder Spartakistenpudding sowie politischen Kurzgeschichten aus den Gr√ľndertagen des Bauhaus, erschienen im Ventil-Verlag

Wie politisch, wird dar√ľberhinaus in dem Koch-Lesebuch „Die Rote K√∂chin“ deutlich, welches derzeit nach telefonischer Auskunft (noch) im Museumsshop des Bauhaus in Dessau erh√§ltlich sein soll.

Es handelt sich um ein Kochbuch mit wunderbar historischen Rezepten, wie beispielsweise „Hirnsuppe“ oder „Forellenfilets √† la Braunberger“, gekocht von der italienischen K√∂chin Hannah, die in den zwanziger Jahren unweit des Bauhaus Weimar ein Restaurant betrieb.

Die K√∂chin war seinerzeit mit f√ľhrenden K√∂pfen aus der Gr√ľnderzeit des Bauhaus verb√§ndelt. So schreibt das Magazin Lettera: „Es ist beeindruckend, die Erinnerungen von Hannah zu lesen und all die leidenschaftlichen Diskussionen zu verfolgen, die mit Freunden und Lehrern wie Klee, Gropius und Kandinsky gef√ľhrt wurden ‚Äď √ľber Kunst, Architektur, Politik.“

Aufgrund der Neuinterpretation gem√§√ü der Presseerkl√§rung vom 29. Januar 1920 durch die Bauhaus Stiftung, steht nun zu bef√ľrchten, dass besagtes Kochbuch in K√ľrze nicht mehr in dem Shop zu kaufen sein wird. Nicht unbedingt sehr demokratisch, aber leider auch nicht der erste Fall von Geschichtsklitterung aufgrund aktueller politischer Vorgaben und Vorlieben.

W√§hrend die Stiftung Bauhaus Dessau sich nun immerhin redlich ein Flei√ük√§rtchen f√ľr vorauseilenden Gehorsam verdient hat, bleibt zumindest kulinarisch interessierten Demokraten die M√∂glichkeit, ein Exemplar des Kochbuchs „Die Rote K√∂chin“ direkt beim herausgebenden Ventil-Verlag zu erwerben.

Titelfoto: Feine Sahne Fischfilet Р© РFoto Copyright Bastian Bochinski
Text: Manfred Tari

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