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Geschmackssache: Gastro-Soundtracks für Restaurants

Ein Artikel im britischen Guardian über die Wechselwirkung von Fine Dining und Soundtracks. Während hierzulande allzu oft in Gaststätten irgendwas läuft, was mutmaßlich nicht stört, besorgen in der Pop-Nation Europas auf der Insel mit Anschluss an den Eurotunnel immer öfter Sound-Sommeliers die Musikauswahl zum Abendessen.

Noch begnügt sich die große Mehrheit hiesiger gastronomischer Betriebe bei der Auswahl ihrer Hintergrundmusik mit ‚Säuselsounds Volume 19‘ im Ganzjahresloop, mit Radio Luxemburg beim Griechen um die Ecke oder mit einschlägigen Songs im Stil von Eugenio Campagna (Cornflakes) beim Italiener. Bestenfalls durfte ein DJ anlässlich der Neueröffnung vor einigen Jahren im gehobenen Konzept-Restaurant eine Playlist mit gediegenen House-Tracks zusammen stellen. Ganz zu schweigen von der Sterne-Gastronomie, deren Musikbeschallung mehrheitlich auf Best Ager mit großen Porte­mon­naie abgestimmt ist.

Weltrangliste meets Blockflöte
In diesem Sinn animiert daher gleich zu Beginn des Artikels ein böser Seitenhieb auf den Klangteppich im Asador Etxebarri in Spanien zum Weiterlesen. Immerhin rangiert das Lokal auf Platz drei der World Fifty Best Restaurants. Laut Dan Keeling, Ex-A&R Manager des Labels Parlophone Records (Coldplay, Lily Allen, Eric Prydz…), Mitgründer und jetziger Redakteur des Magazins Noble Rot, lief dort: „eine Version der britischen Nationalhymne, die klang, als würde sie von einem Kind auf der Blockflöte gespielt“.

Zu Wort kommt ebenfalls Mikey Vettraino von der auf Gastro-Sounds spezialisierten Beratungsagentur „MAV Music Supervision“. Vettraino kümmerte sich in den vergangenen Jahren um die Hintergrundmusik der Suppenküchenkette Wagamama, der O2 Arena und Gordon Ramsays „Lucky Cat“ sowie der global versnobten Privatklubkette „Soho House“. Er verstehe sich als ein „blinder DJ“, der seine Klienten mit tageszeitlich abgestimmten Playlists versorgt.

Schwierig zu vermitteln: Death Metal & Minimal Techno zum Souffle
Angesichts von Meinungsäußerungen und verschärfter Analyse über das für und wider der Verwendung von Death Metal und Minimal Techno im Restaurantbetrieb, gerät der Artikel fast schon zur Abhandlung, welche, das Thema vertiefend, auch mit zwei Playlists daherkommt. Eine davon eigens von Martin Hill, dem Head of Music bei MAV Music, für den Artikel im Guardian kompeliert. Die andere von der Restaurant-Kritikerin Hillary Dixler Canavan von Eater.com, die aus gegebenem Anlass bereits zuvor auf Spotify ihre „The One Restaurant Playlist“ veröffentlicht hat. Dank Arcade Fire, The Jesus and Mary Chain, The Flaming Lips oder Wilco hebt sich diese tatsächlich wohltuend von dem ab, was einem sonst gemeinhin zum Essen musikalisch serviert und garantiert niemals in einem Sternetempel zu hören sein wird…

Text und Bild: Manfred Tari

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