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The Ritz – Upper Class Drama um eine Nobelherberge

Eröffnet im Mai 1906 und seitdem durchgehend geöffnet, erstmals geschlossen am 26. März dieses Jahres. Selbst während zweier Weltkriege hatte das Hotel durchgehend geöffnet, nun aber hat eine Kombination aus Eigentümerwechsel und Corona-Krise zur Schließung des Traditionshauses geführt.

Noch am gleichen Tag als der Verkauf des Ritz besiegelt war, wurde der Betrieb geschlossen. Warum das so ist, ist eigentlich nicht bekannt. Dafür aber die nachfolgende Berichterstattung um eine Abhöraffäre, einen dubiosen Deal, gefolgt von erbitterten Familienstreitigkeiten vor Gericht.

Anlass für die familiären Zwistigkeiten ist der Verkaufspreis für „The Ritz“. Statt 1,3 Milliarden Pfund (1,45 Milliarden Euro) erbrachte der Verkauf ‚lediglich‘ 750 Millionen Pfund (840 Millionen Euro). Im Zentrum des Geschehens stehen die Zwillinge Sir David Rowat Barclay und Sir Frederick Hugh Barclay, auch bekannt als die „Barclay Twins“ sowie deren Zöglinge.

Lauschangriff im Kreise der Familie
Wie die Zeitung „The Guardian“ unlängst berichtete, bot eine illegale Abhöraktion Anlass für eine Klage vor Gericht. Demnach haben die Söhne von David Barclay ihren Onkel Frederick Hugh Barclay und dessen Tochter ohne deren Wissen ausgiebigst mittels Abhörwanzen belauscht. Unter anderen auch ein Gespräch mit den Vertretern von „Sidra Capital“ mit Sitz in Saudi-Arabien, die den Kauf stellvertretend für einen Käufer aus Katar vornahmen. Dieser wollte persönlich eigentlich nicht in Erscheinung treten. Aber wie die Financial Times Mitte April enthüllte, handelt es sich dabei um Abdulhadi Mana Al-Hajri, einem Schwiegersohn des Emirs von Katar.

Den eigentlichen Verkauf wickelten indes die Söhne von David Barclay ab, die mittlerweile die Geschäfte der Ellerman Holdings verwalten, einer Gesellschaft, in der die UK-Geschäfte des Barclay-Clans zusammengefasst sind. Die Barclay-Brüder hatten das Hotel zuvor 1995 über ihre Firma Ellerman Investments für 80 Millionen Pfund erworben.

Das Gesamtvermögen der beiden wurde 2015 laut einem Beitrag der BBC auf rund 6 Milliarden Pfund taxiert. Neben weiteren Luxushotels sowie Bier-Brauereien gehören die Zeitung „The Telegraph“ und eine der britischen Kanalinseln zum Barclays Imperium. Nicht wenig überraschend berichten englische Medien zudem über fiskalische Finessen der beiden Brüder, die sich kein normaler Steuerzahler jemals wird leisten können.

Ein letzter Gruß aus der Küche
Mit anderen Worten, eine äußert vertrackte und verzwickte Geschichte, die lediglich deswegen hier Erwähnung findet, weil The Ritz eine der frühen Wirkungsstätten des Spitzenkochs Auguste Escoffier war. Escoffier renovierte und reformierte den internationalen Küchenbetrieb sowie die gehobene französische Küche wie kein Koch zuvor. Ein Global Player seiner Zeit (1846-1935), dessen Wirken und Fachwissen bis in die heutige Zeit nachwirkt.

„The Ritz London – The Cookbook“ – Ein Schmuckstück für jede Kochbuchsammlung – Verfasst vom Küchenchef John Williams himself und eine wahrliche Offenbarung für Kochkunst auf höchsten Niveau – Bild: Delinale.de

Ganz in diesem Sinne liest sich auch das Kochbuch „The Ritz London – The Cookbook“, geschrieben unter Anleitung von John Williams, dem bisherigen Küchenchef des Hotels. Dieses Kochbuch beinhaltet Rezepte, die ihresgleichen suchen. Klassisch in Bezug auf die Zubereitung von Gerichten, aber dennoch ultimativ modern im Hinblick auf die Kombination von Zutaten für Speisen und Getränke.

Rezepte wie für ein Zucchini-Basilikum-Püree, einer Sellerie im Salzmantel oder „Jerusalem Artichoke Royale“, detailliert erklärt, ergänzt mit Grundsatzaufsätzen zum Thema „Saucen“ oder „Kochen mit Geduld“, machen dieses Buch zu einem wirklichen besonderen Kochbuch.

Was auch immer jetzt vom ‚The Ritz London“ übrig bleiben wird, das derzeit immer noch geschlossen ist, bleibt vorerst ungewiss. Billig jedoch war es nie und ob die Hautevolee die Haute Cuisine im Ritz und anderswo die feine Küche zu schätzen weiß, ist auch eher unwahrscheinlich.

Insofern bleibt immerhin besagtes Kochbuch ein schwacher Trost für all jene, die den Aufwand nicht scheuen, sich an einem durchaus finanzierbaren Zucchini-Basilikum-Püree zu versuchen…

Text und Bild: Delinale.de

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